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"Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."

Psalm 90,12
RSSPrint

Friedhof Rheinsberg

"Für die Kirchengemeinde Rheinsberg ist die Sorge für die Verstorbenen und die Hinterbliebenen vornehmste Aufgabe. Das leere Kreuz drückt die Gewissheit aus, dass der Tod der Beginn eines neuen Lebens bei Gott ist."

Poststraße

16831 Rheinsberg

© P&P Edition Pfeifer 

Evangelische Kirchengemeinde Rheinsberg

Seestraße 25

16831 Rheinsberg

www.kirche-wittstock-ruppin.de/rheinsberg.html

 

 


Im Mittelalter wurden die Verstorbenen direkt an den Kirchen beerdigt. Es entstanden sogenannte Kirchhöfe, die meist um die Kirchen herum angelegt wurden und zusammen mit den Kirchgebäuden den Mittelpunkt der Siedlungen bildeten. In dieser Zeit wurde in der Regel in Gemeinschaftsgräbern bestattet.

Auch in Rheinsberg befand sich der ursprüngliche Begräbnisplatz fast 500 Jahre lang direkt an der Pfarrkirche St. Laurentius im Zentrum der Stadt.

Erst nach dem großen Stadtbrand von 1740 verlegte man ihn im Zuge des Wiederaufbaus der Stadt aus Platzmangel und hygienischen Gründen östlich außerhalb der Stadt vor das Granseer Tor (Scheunentor) auf seinen heutigen Standort. (Bild 1)

Zugleich veränderte sich die Bestattungskultur dahingehend, dass die Verstorbenen in Einzelgrabstellen beigesetzt wurden und nicht mehr Gemeinschaftsgräber angelegt wurden. Dies führte auch auf dem Rheinsberger Friedhof zu einem erhöhten Platzbedarf. Der Rheinsberger Kantor Traugott Pinkert schreibt 1899 darüber:

„Nun ist inzwischen auch der Kirchhof draußen vor der Stadt ,alt’, geworden. Er erwies sich in letzter Zeit als nicht mehr ausreichend, und man legte wenige hundert Schritte weiter, vor etwa sechs Jahren einen neuen Friedhof an ...“

Seit jener Zeit wird dieser weitere Begräbnisplatz  als Friedhof der Stadt Rheinsberg geführt. Der „alte“ Friedhof hier steht nach wie vor in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Rheinsberg.

Aus dem 19. Jahrhundert sind noch einige Grabstellen mit aufwendig gearbeiteten schmiedeeisernen Gittern zu sehen, aus dem 18. Jahrhundert sind bis auf wenige Ausnahmen keine Grabanlagen mehr erhalten.

Stadtgeschichte Rheinsberg e.V. hat sich gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Rheinsberg zur Aufgabe gemacht, die aus historischer, architektonischer, künstlerischer oder kultureller Sicht wertvollen Grabmäler für die Nachwelt zu erhalten, bei denen die Liegefristen nach der Friedhofssatzung abgelaufen sind und denen die Einebnung droht.

Gedenkort

 Viele solche Gräber sind bereits einegeebnet und und nur die Grabsteine konnten gerettet werden. Um diese Grabsteine und damit ein Stück Rheinsberger Stadtgeschichte in würdiger Form zu präsentieren, haben Stadtgeschichte Rheinsberg e.V. und die evangelische Kirchgemeinde Rheinsberg den „Gedenkort“ geschaffen, auf dem diese Grabsteine abgelegt und damit für die Nachwelt erhalten bleiben.

Friedhöfe sind ein Ort des Erinnerns und des Gedenken. Doch wenn die sogenannte Liegezeit, die meist 20 Jahre beträgt, abgelaufen ist, steht die Frage, was passiert mit der Grabstelle. In einigen Fällen,  wenn zum Beispiel  die Grabstelle noch für andere Hinterbliebene reserviert werden soll, wird die Liegezeit gegen Zahlung einer Gebühr um weitere Jahre verlängert.

Das ist der Normalfall. Aber es gibt auch Friedhöfe mit historischen Denkmalen und Grabstellen von Persönlichkeiten, die es verdienen, dass sie erhalten bleiben. Um diese kümmert sich in Rheinsberg der Verein Stadtgeschichte e.V. Gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde wurde vor zwei Jahren eine Friedhofskommission gebildet, die sich regelmäßig trifft und sich um die Modalitäten kümmert. Ihr gehören sowohl Mitglieder des Geschichtsvereins, als auch Angehörige des Gemeindekirchenrates sowie der Pfarrer an.

Bereits vor einigen Jahren wurde auf dem Friedhof der Kirchengemeinde ein Areal zur Verfügung gestellt, auf dem der Verein einen würdigen Gedenkort eingerichtet hat. Neben einer Tafel mit Erläuterungen zu den wichtigsten Gräbern findet der Besucher dort die eiserne Grabplatte vom Leibarzt des Prinzen Heinrich, der, nachdem sein Bruder Friedrich König wurde, in Rheinsberg residierte. Aber auch eine kunstvoll gestaltete Replik, wie sie einst den Sarg des ersten Rheinsberger Keramikfabrikanten Carl-Friedrich Lüdicke schmückte, ist dort aufgestellt.

Doch  auch die Grabsteine anderer mehr oder weniger bekannter Bürger der Stadt, deren Gräber nach dem Ablauf der Liegezeit eingeebnet wurden, können dort gegen  Zahlung eines einmaligen Beitrages zunächst für zehn Jahre abgelegt werden. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Gedenkort zu pflegen und mit einem kleinen Schild auf die wichtigsten Lebensdaten und Verdienste des oder der  Verstorbenen zu verweisen.

Doch  damit nicht genug: 2016 wurde ein neues Projekt ins Leben gerufen. Den Mitgliedern des Vereins war aufgefallen, dass es auf dem Friedhof mehrere erhaltenswerte Grabsteine gibt, für die es aber niemanden mehr gibt, der sich darum kümmert. Um die Erinnerung an diese Bürger von Rheinsberg  wachzuhalten, wurde der Titel „Denkmalpate“ geschaffen.

Bei den ersten beiden Grabmalen handelt es sich um den Fleischermeister Albert Wiese und den  Zahnarzt  Emil Füssel. Auf der Suche nach einem Denkmalpaten konnte der Verein mit Karsten Schulz und dessen Frau Kirsten ein praktizierendes Zahnarzt-Ehepaar gewinnen. Und mit dem Fleischermeister und Gastwirt Andreas Endler und  Frau Cornelia, die heute ihre Fleischerei und Gaststätte  an dem Ort bewirtschaften, wo einst der Schlächter Wiese seinen Betrieb und Laden hatte, wurden auch für das zweite Grab Denkmalpaten gefunden.

„Das Projekt gefällt uns“, erklären beide Familien übereinstimmend. So würden Erinnerungen an die Bürger  wachgehalten, die sich um das Wohl der Einwohner sorgten. Für die Sauberkeit rund um die Gräber sorgt auch weiterhin der Verein. Die Grabmalpaten, die anlässlich der Verleihung des Ehrentitels eine besonders schön gestaltete Urkunde erhielten, verpflichten sich lediglich, für die Kosten aufzukommen, wenn zum Beispiel der Grabstein die Rüttelprobe nicht besteht und ein Steinmetz diesen wieder befestigen muss.  

www.stadtgeschichte.rheinsberg.de

Patenbrief

Zur Finanzierung und Erhaltung historischer Grabdenkmale hat der Verin Stadtgeschichte Rheinsberg ev. den Ehrentitel "Rheinsberger Denkmalpate" geschaffen. Der Denkmalpate übernimmt die Kosten für die Unterhaltung und ggf. Instandsetzung des Grabdenkmals und erhält dafür eine Urkunde und ein Täfelchen, das vor dem Grabmal aufgestellt wird.

Lage des Friedhofes

Lage des Friedhofes 1777 (Quelle: Beschreibung des Lustschlosses und Gartens Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Heinrichs Bruder des Königs, zu Rheinsberg, wie auch der Stadt und der Gegend um dieselbe; Hennert, Carl 1778 Friedrich Nicolai, Berlin)

Grabmal Schlächtermeister Albert Wiese

Die Erhaltung dieses Grabmales wird durch einen Rheinsberger Denkmalpaten übernommen. Links unten ist ein Täfelchen mit einem Bild und der Lebensleistung des Verstorbenen aufgestellt.

Informationstafel

Informationstafel zur Geschichte des Friedhofes und zur Lage der erhaltenswerten Grabmale.

Eisenkunstgussabdeckung der Gruft des Leibarztes von Prinz Heinrich von Preußen

Die Einsenkunstgussabdeckung wurde von privat dem Verein Stadtgeschichte Rheinsberg übergeben und nach der Restaurierung auf dem Gedenkort des kirchlichen Friedhofes aufgestellt, wo sich im 19. Jahrhundert die Gruft des Leibarztes von Prinz Heinrich von Preußen befand. 

Gruft des Königl. Hauptforstkassenrendanten Johann Gottfried Kiehn

Das Grabmal der Gruft des Königl. Hauptforstkassenrendanten Johann Gottfried Kiehn ist eins der letzten noch vorhandenen Grabmale mit originaler Feldsteinaufmauerung und Eisenkunstgussabdeckung in  Nordbrandenburg. 

Grabmal der Wäscherin Luise Speisekorn

Bild 1 zeigt ein typisches Grabmal einer Rheinsberger Kleingewerbetreibenden aus dem 20 Jahrhundert. Bild 2 ist ein Ausschnitt aus der Rheinsberger Zeitung vom 2. April 1932 mit der Anzeige der Luise Speisekorn.

 

Grabmal Rudolf Speck von Sternburg

Wolf Rudolf Speck von Sternburg war kaiserlicher Offizier und wurde nach einem Reitunfall pensioniert. Sein Rheinsberger Wohnhaus wurde der Stiftung Friedenshorst übergeben, die es noch heute besitzt. Die Familie Speck von Sternburg besaß eine weltberühmte Kunstsammlung. Nach 1992 wurde die Sammlung von der Kulturstiftung der Länder erworben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Dipl-Restauratorin Sandra Bothe erneuert die Inschrift auf dem Grabkreuz der Familie Speck von Sternburg

Letzte Änderung am: 14.12.2018